Messestadt Frankfurt am Main

Vom mittelalterlichen Marktplatz zur internationalen Messebühne

Seit rund 800 Jahren ist Frankfurt am Main als Messeplatz bekannt. Im Mittelalter trafen sich Händler und Geschäftsleute am Römer.  Am 11. Juli 1240 wurde Frankfurt das Messe-Privileg ausgestellt - ein Tag für die Geschichtsbücher. Denn Kaiser Friedrich II. stellte somit vor knapp 779 Jahren die Besucher der ersten „Frankfurter Messe“ unter seinen hoheitlichen Schutz. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde der Frankfurter Messegesellschaft.

Dieses Privileg des Kaisers markiert den Beginn der internationalen Messetradition am Main und bildet zugleich die Basis für den bis heute prosperierenden Wirtschaftsstandort Frankfurt. Im Jahr 1330 privilegierte Kaiser Ludwig IV. auch die Frankfurter Frühjahrsmesse. Fortan gab es zwei feste Messetermine in Frankfurt - einen im Frühjahr und einen im Herbst. Die Basis für die heutigen Branchenplattformen der Messe Frankfurt war gelegt.

Daten und Angaben, die so weit zurückliegen, verschwimmen meistens im Nebel der Geschichte. Was sich genau im Frühjahr 1240 zugetragen hat, ist deshalb auch nicht präzise dokumentiert. Eine Delegation Frankfurter Kaufleute und Ratsherren muss wohl damals die lange Reise nach Italien angetreten haben, in die Region Marken. Denn in der Nähe der Stadt Ascoli, die schon damals an einer wichtigen Handelsstraße gelegen war, hatte vor knapp 779 Jahren Kaiser Friedrich II. sein Feldlager aufgeschlagen. Was sich dann dort genau abgespielt hat, ist ebenfalls nicht überliefert. Fest steht nur: Der Kaiser stellte den Reisenden aus Frankfurt eine Urkunde mit seinem Siegel aus, in der er der deutschen Stadt das Recht des freien Geleits gewährte.

Das bedeutete konkret: Alle Kaufleute, die in die Freie Reichsstadt Frankenfurth kamen, standen fortan unter dem Schutz des Kaisers und seines Heeres. Der Herrscher konnte gegenüber den Landesfürsten den Befehl erteilen, Handelskarawanen zu beschützen. Das reduzierte das Risiko von Überfällen für die Händler drastisch. Damit erhöhte sich die Zahl der Kaufleute, die nach Frankfurt am Main kamen, beträchtlich. Dieses Messe-Privileg kostete die Frankfurter mit Sicherheit einiges - aber diese Investition in die Zukunft hat sich bezahlt gemacht.

 

Wandel durch Handel

Tatsächlich war die Stadt Frankfurt schon im zwölften Jahrhundert ein internationaler Umschlagplatz für Waren aller Art; die erste urkundliche Erwähnung einer Messe stammt wohl aus dem Jahr 1150. Frankfurt profitierte schon damals von seiner zentralen Lage im Herzen Europas, in der sich verschiedene Verkehrswege kreuzten. Sie führten nach Lyon, Venedig, Antwerpen, nach Norden in die Hansestadt Lübeck und nach Osten in die Handelsstadt Nischni Nowgorod. So mutierte die Kaiserstadt Frankfurt schnell zur Drehscheibe der Warenströme; zumal der Main als günstiger Transportweg beste Voraussetzungen schaffte für eine internationale und reichsweite Messe. Auf dem mittelalterlichen Warenumschlagplatz rund um das heutige Rathaus Römer, dessen Name an die Kaufleute aus Italien erinnert, boten die Händler Seide, Tücher, exotische Speisen und Kram sowie Pelze an. Waffen gehörten ebenfalls zu den begehrten Gütern.

Am 25. April 1330 folgte dann das zweite Messeprivileg, ausgefertigt von Kaiser Ludwig IV. aus dem Hause Wittelsbach. Seitdem existierten zwei Messetermine in Frankfurt: einer im Frühjahr und einer im Herbst ­- wobei die großen Messen ab 1909 dann an alle an der Festhalle stattfanden. Bei den Konsumgütermessen hat sich diese terminliche Grundstruktur bis heute erhalten - die Ambiente findet im Herbst und die Heimtextil im Frühjahr statt.

Zu den Waren, die in Frankfurt gehandelt wurden, zählten bald auch Bücher. Der Erfinder des modernen Buchdrucks, Johannes Gutenberg, hielt sich damals des Öfteren zu Messezeiten in Frankfurt auf und soll eine seiner ersten Bibeln hier verkauft haben . Die heutige Buchgasse erinnert noch an die Anfänge des Handels mit dem gedruckten Wort, das bis heute ein Publikumsmagnet geblieben ist. Die jährlich im Oktober stattfindende internationale Buchmesse füllt allerdings nicht mehr nur die kleinen Stände in der Buchgasse, sondern sämtliche Hallen auf dem Messegelände.

Zum Warenhandel gesellte sich bald auch der Geldhandel. Frankfurt wurde schon damals  durchaus kritisch gesehen. In den Römerhallen wurde Anfang des 16. Jahrhunderts so eifrig mit Gold und Schmuck gehandelt, dass der Reformator Martin Luther die Stadt wenig schmeichelhaft als „das Gold- und Silberloch des Reiches“ betitelte. Zur damaligen Zeit  fanden sich zu Messezeiten bis zu 40.000 Menschen am Main ein; ein Viertel der Händler stammte bereits im frühen 17. Jahrhundert aus dem Ausland. Das ständige hin und her Tauschen der unterschiedlichen Währungen wurde allerdings schnell als Hemmnis für den Handel empfunden. So kamen die Schmuck - und Goldhändler bald auf die Idee, einen einheitlichen Geldkurs festzulegen und Fremdwährungen in Frankfurter Kreuzer umzurechnen. Die Stadt segnete dieses Vorhaben 1585 ab - der Grundstein für die Entwicklung zur Finanzmetropole war gelegt.

Heute machen neben der in Frankfurt ansässigen Börse an die 400 Geldinstitute, darunter die Europäische Zentralbank EZB und die Bundesbank die Metropole zum wichtigsten europäischem Finanzplatz.

Mit den Privilegien von 1240 und 1330 entwickelte sich Frankfurt schnell zum wimmelnden Markt für Waren aus aller Welt. Doch auch konkurrierende Städte wie das wirtschaftlich liberale Leipzig entdeckten das lukrative Messegeschäft für sich und luchsten Frankfurt einige Jahre lang Teile davon ab. Auch die mit der industriellen Revolution aufkommenden Vertriebsformen bereiteten der Messestadt anfänglich Probleme. Frankfurt reagierte mit industriellen Leistungsschauen, deren Grundmuster sich bis heute in den Branchenmessen der IAA, der Automechanika, der ISH oder der Musikmesse widerspiegelt. Das Erfolgsgeheimnis scheint simpel: kontinuierliche Weiterentwicklung, über Jahrhunderte hinweg.

Heute zählt Frankfurts Messegesellschaft zu den Weltmarktführenden im Messegeschäft. Tatsächlich ziehen die Messen jährlich mehr als eine Million Besucher aus aller Welt an, statt auf den Gassen aber auf das eigene rund 600.000 Quadratmeter große Messegelände. In den mittlerweile zwölf, immer wieder modernisierten Ausstellungshallen und der berühmten Festhalle finden jährlich 150 Messen und rund 350 Kongresse, Konferenzen sowie andere Events statt. Mehr als 2.400 Mitarbeitern an 30 weltweiten Standorten erwirtschaften einen Jahresumsatz von rund 669 Millionen Euro.